Mein Hund interessiert sich draußen für alles – nur nicht für mich.
Warum viele Hunde draußen so extrem abgelenkt sind.

Hund laeuft aufmerksam auf einem Waldweg bei einem Spaziergang der Hundeschule DOGS Steiermark

Inhaltsverzeichnis

Zu Hause klappt eigentlich alles ganz gut. Dein Hund reagiert auf seinen Namen, macht Sitz und Platz, nimmt Leckerchen gerne an und wirkt aufmerksam. Vielleicht hast du sogar schon einiges trainiert und hast grundsätzlich das Gefühl, dass ihr auf einem guten Weg seid.

Und dann geht ihr vor die Tür und plötzlich scheint alles andere wichtiger zu sein. Da wird geschnüffelt, geschaut, gehört, markiert und beobachtet. Ein anderer Hund taucht auf, irgendwo raschelt es im Gebüsch oder es zieht eine spannende Spur über den Weg – und du hast das Gefühl, überhaupt nicht mehr vorzukommen.

Viele Hundehalter beschreiben genau das mit den Worten: „Draußen hört mein Hund einfach nicht.“ Und ganz ehrlich? Das kann unglaublich frustrierend sein, vor allem dann, wenn man sich Mühe gibt, Zeit investiert und eigentlich nur einen Hund haben möchte, der draußen ansprechbar bleibt und sich nicht ständig verabschiedet, sobald etwas Interessanteres auftaucht.

Bevor wir darüber sprechen, was du tun kannst, lohnt es sich allerdings, einen Blick darauf zu werfen, warum dein Hund draußen überhaupt so abgelenkt ist.

Die Welt da draußen ist für Hunde wahnsinnig spannend

Für uns ist ein Spaziergang oft einfach ein Spaziergang – Für unseren Hund ist er deutlich mehr. Während wir einen Feldweg sehen, nimmt unser Hund unzählige Gerüche wahr. Er erkennt, welche Hunde hier unterwegs waren, welche Tiere die Gegend durchquert haben, wo jemand gefressen hat oder welche Spur vielleicht erst vor wenigen Minuten entstanden ist. Dazu kommen Bewegungen, Geräusche, andere Hunde, Menschen, Fahrräder, Wildspuren und tausend weitere Reize, die wir häufig gar nicht wahrnehmen.

Wenn ein Hund draußen ständig beschäftigt ist, bedeutet das deshalb nicht automatisch, dass etwas mit eurer Beziehung nicht stimmt. Oft zeigt es einfach nur, wie interessant die Umwelt für ihn geworden ist. Trotzdem gibt es einen Punkt, über den wir als Hundetrainer immer wieder mit unseren Kunden sprechen. Und der ist manchmal etwas unbequem.

Hat dein Hund überhaupt einen Grund, sich für dich zu interessieren?

Das klingt im ersten Moment vielleicht härter, als es gemeint ist, aber stell dir die Frage einmal ganz ehrlich: Warum sollte dein Hund draußen regelmäßig den Kontakt zu dir suchen? Was gewinnt er dadurch?

Viele Hunde bekommen heute ein wirklich schönes Leben. Sie werden geliebt, umsorgt und bekommen alles, was sie brauchen. Daran ist natürlich nichts falsch. Manchmal führt das aber dazu, dass der Mensch für den Hund hauptsächlich zum Versorger wird. Das Futter steht bereit. Aufmerksamkeit gibt es jederzeit, Beschäftigung ebenfalls. Entscheidungen trifft der Hund meist selbst und zu seinem Vorteil

Und draußen wartet dann plötzlich eine ganze Welt voller Abenteuer. Wenn wir ehrlich sind, konkurrieren wir dort nicht nur mit einem anderen Hund oder einer interessanten Spur, wir konkurrieren mit allem, was die Umwelt zu bieten hat und unser Hund hat ja drinnen bereits gelernt, dass wir im Grunde immer verfügbar sind.

Deshalb lohnt sich, einmal genauer hinzusehen, wie viele wichtige Ressourcen dein Hund eigentlich kostenlos bekommt – Nicht, weil man ihm etwas wegnehmen soll, sondern weil Zusammenarbeit oft erst dann entsteht, wenn sie einen echten Wert bekommt.

Ein Hund, der erlebt, dass tolle Dinge gemeinsam mit seinem Menschen passieren, wird sich deutlich häufiger orientieren als ein Hund, der sein Leben weitgehend unabhängig gestaltet. Dazu gehört auch gemeinsam Aufgaben zu lösen, den Hund mal vor Herausforderungen zu stellen, sich z. B. sein Futter verdienen zu lassen oder ähnliches. Ja, auch Hunde wollen wirklich gefordert werden, Lösungswege finden, zwischendurch scheitern und ihr Hirn benutzen. 

Warum dein Hund draußen nicht hört

Wenn ein Hund draußen nicht hört, steckt dahinter meistens kein Trotz – tatsächlich erleben wir in Trainingsstunden immer wieder, dass Hundehalter ihren Hund als stur beschreiben, obwohl etwas ganz anderes passiert.

Der Hund trifft schlicht eine Entscheidung, und zwar die Entscheidung für das, was sich für ihn in diesem Moment am meisten lohnt. Oft hat er ja davor schon gefühlt 264 Entscheidungen getroffen (Richtung, Schnüffeln, Stehen bleiben, Ziehen und viele mehr) – warum sollte er dann diese nicht treffen?

Wenn am Waldrand gerade eine frische Wildspur liegt, ist diese oft interessanter als ein Rückrufsignal, das bisher nur gelegentlich trainiert wurde. Wenn ein anderer Hund auftaucht, kann dessen Anwesenheit spannender sein als ein Leckerchen aus der Jackentasche. Wenn ein Hund über Monate gelernt hat, dass er draußen weitgehend machen kann, was er möchte, wird er sich auch weiterhin entsprechend verhalten.

Das hat wenig mit Ungehorsam zu tun, es ist vielmehr das Ergebnis von Erfahrungen, die sich über Wochen, Monate oder sogar Jahre aufgebaut haben.

„Mein Hund folgt nicht“ – oft steckt mehr dahinter als fehlender Gehorsam

Viele Menschen wünschen sich einen Hund, der automatisch in ihrer Nähe bleibt, regelmäßig Kontakt aufnimmt und auch ohne ständige Ansprache orientiert läuft und natürlich gibt es Hunde, denen das sehr leicht fällt. Schön für alle, die so einen haben. Die meisten anderen bringen dafür deutlich mehr Eigenständigkeit mit.

Gerade jagdlich motivierte Hunde, selbstbewusste Hunde oder Hunde, die viel Erfolg mit eigenständigem Verhalten hatten, entwickeln oft eine ganz andere Vorstellung davon, wie ein Spaziergang aussehen soll, was aber nicht bedeutet, dass sie nicht trainierbar wären. Man muss nur verstehen, dass Orientierung nicht dadurch entsteht, dass man sie fordert. Orientierung entsteht dadurch, dass sie sich lohnt.

Warum Hund von der Leine lassen oft nicht funktioniert

Einer der häufigsten Wünsche im Hundetraining ist verständlicherweise der sichere Freilauf. Viele Hundehalter wünschen sich entspannte Spaziergänge ohne Leine, bei denen ihr Hund zuverlässig zurückkommt und in der Nähe bleibt.

Funktioniert in vielen Fällen aber nicht – Der Wunsch nach Freilauf ist größer als die vorhandene Grundlage. Wenn ein Hund regelmäßig Rückrufe ignoriert, Wildspuren verfolgt oder sich weit entfernt, ist Freilauf momentan schlicht noch nicht das richtige Werkzeug. Das ist keine Niederlage, es ist lediglich eine Trainingsinformation.

Denn Hund von der Leine lassen bedeutet nicht automatisch Freiheit. Es bedeutet Verantwortung. Und diese Verantwortung können wir nur dann tragen, wenn unser Hund gelernt hat, sich auch unter Ablenkung an uns zu orientieren.

Hunde, die ohne solide Basis in den Freilauf entlassen werden, dabei Ansprachen und Rückrufe ignorieren und ihre Bedürfnisse durchsetzen, belohnen sich ja dauerhaft selbst – Aus Hundesicht ist das natürlich eine hervorragende Strategie.

Wenn dein Hund draußen wegrennt

Wenn dein Hund draußen wegrennt, solltest du das nicht als kleine Unart abtun, vor allem dann nicht, wenn Wild, Fahrräder, Jogger oder andere Hunde im Spiel sind. Jedes Mal, wenn ein Hund losrennt und sein Ziel erreicht, verstärkt sich dieses Verhalten weiter. Deshalb arbeiten wir in solchen Fällen häufig zunächst mit einer Schleppleine. Gerade bei Hunden mit jagdlicher Motivation ist das oft ein entscheidender Trainingsschritt.

Wer dieses Thema bei seinem Hund kennt, sollte sich übrigens auch intensiver mit Anti-Jagd-Training beschäftigen. Denn viele vermeintliche Rückrufprobleme haben ihren Ursprung gar nicht im Rückruf selbst, sondern in einem unerfüllten Jagdverhalten.

 

Was hilft stattdessen?

Viele Hundehalter suchen nach dem einen Trick, dem einen Signal, dem einen besonderen Leckerli, dem einen Geheimtipp, der alles verändert.

In der Praxis ist es meistens deutlich unspektakulärer. Die Hunde, die draußen aufmerksam werden, haben oft gelernt, dass sich Zusammenarbeit lohnt. Sie erleben ihren Menschen nicht nur als jemanden, der Kommandos gibt, sondern als echten Orientierungspunkt und das beginnt bei kleinen Dingen.

Gemeinsame Suchspiele. Kleine Aufgaben unterwegs. Belohnungen, die nicht selbstverständlich sind. Situationen, in denen der Hund merkt, dass es sich lohnt, auf seinen Menschen zu achten.

Manchmal beginnt es auch damit, Gewohnheiten zu hinterfragen. Braucht dein Hund wirklich jederzeit freien Zugang zu allem? Muss er wirklich jedes Mal ein Keks bekommen, wenn er lieb schaut? Weiß mein Hund eigentlich schon ganz genau, dass er sich nur kurz rühren muss und ich bin sofort zur Stelle? Gibt es Möglichkeiten, mehr gemeinsame Kooperation in den Alltag einzubauen?  Genau dort entstehen oft die größten Veränderungen.

Die wichtigste Erkenntnis

Wenn dein Hund draußen abgelenkt ist, wenn dein Hund nicht hört oder wenn Freilauf aktuell nicht möglich ist, bedeutet das nicht automatisch, dass etwas mit eurem Verhältnis nicht stimmt. Die meisten Hunde machen genau das, was sich für sie lohnt. Und wenn die Umwelt spannender geworden ist als die Zusammenarbeit mit dem Menschen, dann ist das kein Charakterfehler des Hundes. Es ist eine Trainingsaufgabe. Die gute Nachricht dabei ist: Das lässt sich verändern.

Nicht von heute auf morgen und nicht mit einem einzelnen Trick, aber Schritt für Schritt.

Mit klarer Führung, sinnvoll aufgebautem Training und einer Beziehung, in der dein Hund lernt, dass es sich lohnt, auf dich zu achten – auch dann, wenn draußen gerade die ganze Welt nach ihm ruft.

Du möchtest, dass dein Hund draußen wieder ansprechbar wird?

Wenn dein Hund draußen ständig beschäftigt ist, Rückrufe ignoriert, sich für alles andere interessiert oder du ihn aktuell nicht von der Leine lassen kannst, unterstützen wir dich gerne dabei.

Im Einzeltraining schauen wir uns an, warum dein Hund sich draußen so verhält und welche Stellschrauben bei euch wirklich relevant sind.

Oder du besuchst unseren Rückrufkurs und lernst Schritt für Schritt, wie dein Hund auch unter Ablenkung zuverlässig ansprechbar bleibt – damit Spaziergänge wieder entspannter werden und sicherer Freilauf möglich wird.

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